Einführung eines minimal invasiven Prostatakarzinom-Therapiezentrums

Zwei internationale Studien* haben unter den Urologen eine heftige Diskussion über die Therapie des Prostatakarzinoms ausgelöst und dafür gesorgt, dass in den aktuellen Behandlungs-Leitlinien** auch die aktive Überwachung - die sogenannte „active surveillance“, einen gleichwertigen Stellenwert neben der radikalen Prostatektomie (operative Prostataentfernung), der Strahlentherapie oder Brachytherapie einnimmt.

Bisher galt bei organbegrenztem Prostatakrebs oder nur gering aggressivem  Tumorwachstum (low risk) ausnahmslos die radikale Prostatektomie als die Behandlung der Wahl. Zu verstehen ist das, wenn man die historische Entwicklung dieser Behandlungsstrategie betrachtet: Ein Prostatakarzinom konnte vor einigen Jahrzehnten in der Regel erst in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert werden und wurde in jedem Fall als Todesgefahr wahrgenommen, die es abzuwenden galt, indem so radikal wie möglich behandelt wurde. Einzig die Prostataktomie bot Chancen auf Heilung. Und die Aussicht auf Erfolg war größer, je früher operiert wurde. Das wurde durch rasant ansteigende Heilungsraten dann auch bestätigt.

Erst langsam hat sich bis heute die Erkenntnis durchsetzen können, dass ein Teil der in der Früherkennung gefundenen Prostatakarzinome niemals für den betreffenden Patienten symptomatisch werden. Hilfreich waren dabei besonders Langzeitstudien, welche z. B. zeigten, dass 48 von 116 Tumoren ohne Früherkennung nicht diagnostiziert worden wären (ERSPC: Schröder 2009). Diese Zahl sollte jeden Operateur nachdenklich stimmen. Vor diesem Hintergrund werden inzwischen in den aktuellen Leitlinien auch defensive Strategien und alternative Behandlungsverfahren deutlich hervorgehoben. Wir nehmen diese Entwicklung zum Anlaß, neben der aktiven Überwachung auch die Brachytherapie (LDR) als wirklich minimal invasive Therapieverfahren anzubieten.

* Internationale Studien:

  • European Randomized Study for Prostate Cancer (ERSPC) zeigt, daß durch regelmäßige PSA-Kontrollen das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu sterben, deutlich verringert wird; die Wichtigkeit einer Vorsorge wird damit belegt.
  • Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian Cancer Screen Trial (PLCO) ist eine Studie, welche die Vorteile einer PSA-Messung relativiert, aber durch wesentliche methodische Mängel (zu wenig Patienten in der Kontrollgruppe) zu keiner korrekten Aussage führt.

** S3-Leitlinien: von der Deutschen Gesellschaft für Urologie empfohlene Behandlungsrichtlinien, die sich ausschließlich an in wissenschaftlichen Studien beweisbaren Therapieerfolgen orientieren („höchster Evidenzgrad“)

 

(C) 2015 Dr. Deindl

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